Der Soziologe Dirk Baecker berichtet über den französischen Philosophen François Jullien und dessen aufsehenerregendes Buch DER UMWEG ÜBER CHINA. Jullien behauptet, wir Europäer fänden den Weg zu unseren Wurzeln in der Antike am besten über den Umwegüber China. Nur wenn wir uns auf diese, von uns ganz unabhängige, Strategie und Denkweise der Chinesen einlassen, kommen wir uns selbst näher. Für die europäische Mentalität, sagt François Jullien, stehen Wille und Idee im Vordergrund. Wir glauben durch Handeln Wirklichkeit erzeugen zu können. Neuerdings werfen die Amerikaner den Alt-Europäern vor, sie täten das nicht vehement genug. Die chinesische Weisheit, aber auch alle praktischen Strategien Chinas, sagt Jullien (und Dirk Baecker bestätigt das aus der Erfahrung von Luhmanns Systemtheorie) gehen dagegen davon aus, dass man sich der Wirklichkeit zunächst anvertraut. Es gibt den Gegensatz zwischen Idee und Tatsachen überhaupt nicht. Man muss immanent wirken. Insofern hängt der Weise an keiner Idee.