Show: Viren und Bakterien

Kommunikation unter Bakterien

Ein riesiger Teil der BiosphĂ€re besteht aus Mikroorganismen. Wie verstĂ€ndigen sie sich untereinander? Kooperieren sie? Die Evolution dieser – von uns gesehen – fremden Welt umfasst einen Zeitraum von 3,5 Milliarden Jahren. Prof. Dr. Kirsten Jung, Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen, ĂŒber ihr faszinierendes Forschungsfeld.

Erstausstrahlung am 29.07.2012

Die 5. Kolonne der Viren

Die Viren sind Ă€lteste und elementare Bausteine oder TrĂŒmmerstĂŒcke des Lebens. Seit Äonen begleiten sie die Entwicklung der Pflanzen, Tiere und von uns Menschen. Sie sind immer schon da: in uns und um uns herum. Bei der Vogelgrippe, der Schweinegrippe und der Spanischen Influenza zeigen sie sich wandlungsstark und immer erneut gefĂ€hrlich. Prof. Dr. Alexander KekulĂ©, Mikrobiologe, ĂŒber die 5. Kolonne der Viren. Sie sind Gegner, die wir nie endgĂŒltig besiegen können und zugleich bilden sie unseren Ă€ltesten Vorfahren. Die 5. Kolonne nannte man im spanischen BĂŒrgerkrieg einen Gegner, der schon lĂ€ngst im Inneren der Republik angekommen ist, wĂ€hrend man noch glaubte, dass die KĂ€mpfe an der Front stattfinden.

Erstausstrahlung am 03.01.2010

Supermacht der Viren

Auf dem Blauen Planeten koexistieren seit Äonen Lebewesen, die aus Zellen zusammengesetzt sind, mit der Welt der Viren. Man versteht aber die Evolution schlecht, wenn man nur von einem Krieg der Viren und der grĂ¶ĂŸeren Lebewesen spricht. Man weiß nicht, ob die Lebenssplitter, die man Viren nennt, tot oder lebendig sind, ob sie bloß aus Programm bestehen oder selbststĂ€ndige Körper bilden. In jedem Fall zeigen sie eine radikale Intelligenz, WandlungsfĂ€higkeit und scheinen an nichts anderem interessiert, als sich zahlenstark zu vermehren. Die Virologin Prof. Dr. Karin Mölling, UniversitĂ€t ZĂŒrich und Wissenschaftskolleg zu Berlin, berichtet nicht ohne Respekt von ihrem Forschungsgegenstand.

Erstausstrahlung am 24.05.2009

Bakterien vergessen nichts!

Die Welt der Mikroben hat ihre Basis in Ă€ltesten Zeiten: Milliarden und Millionen Jahre vor heute. Ihre Strukturen bilden “Inseln” und “Gesellschaften”. Dies gilt nicht nur fĂŒr die pathogenen Wirkungen, sondern fĂŒr alle Wirkungen dieser mit der unseren konkurrierenden Lebenswelt der Viren und Bakterien. Diese Welt speichert Programme, Strukturen und Wissen. Prof. Dr. Dr. Hacker ist als PrĂ€sident des Robert-Koch-Instituts zustĂ€ndig fĂŒr die BekĂ€mpfung gefĂ€hrlicher Viren und Bazillen. Er spricht mit großer Achtung von der Evolution, Intelligenz und FlexibilitĂ€t seines “Gegners”. 

Erstausstrahlung am 19.07.2009

Der schwarze Tod

Von Osten kommend, hat die Pest in der Antike und im Mittelalter HĂ€fen, StĂ€dte und ganze LĂ€nder verwĂŒstet. Die Seuche tötete nicht nur Menschen, sondern sie zerrĂŒttete in radikaler Weise den gesellschaftlichen Zusammenhalt: eine Seuche, die Gemeinwesen vernichtet. Prof. Dr. med. Klaus Bergdolt, Verfasser der BĂŒcher “Der schwarze Tod in Europa” und “Die Pest”, berichtet.

Erstausstrahlung am 11.02.2007

Die Pest in Athen

17 Jahre lieferten Athen und Sparta einander einen blutigen Krieg. Danach waren beide MĂ€chte zerschlagen. Dieser peloponnesische Krieg (431 bis 404 vor Christus) begann als PrĂ€ventivkrieg. Auf dem Höhepunkt brach die Pest ĂŒber das belagerte Athen herein. Der Althistoriker Dr. Mischa Meier von der UniversitĂ€t Bielefeld berichtet.

Erstausstrahlung am 16.02.2003

Der Parasit ohne Gnade

Alexander der Große, Oliver Cromwell, Friedrich Schiller und viele andere BerĂŒhmte starben an Malaria. Wer körperlich wenig zuzusetzen hat, stirbt am leichtesten. Insofern ist Malaria besonders tödlich in LĂ€ndern der Armut. Das zĂ€he Überleben, die Verwandlungskunst dieses Parasiten, sein Kreislauf ĂŒber mehrere Wirte, sind ein Beispiel fĂŒr den Einfallsreichtum der Evolution. Die Natur ist in Form ihrer Parasiten klĂŒger als jede Gegenstrategie der Zivilisation. Prof. Dr. med. Heiner Schirmer von der UniversitĂ€t Heidelberg ĂŒber den Parasiten ohne Stolz und ohne Gnade: den Malariaerreger.

Erstausstrahlung am 07.04.2002

Ein Virus, das aus dem Dschungel kam

Der Ausbruch der Virus-Epidemie in mehreren LĂ€ndern Westafrikas hat die Welt schockiert. Beginnend mit einer langen Inkubationszeit, in der das Virus sich in Immunzellen und in der Leber der Opfer versteckt hĂ€lt und auch durch Tests nicht erkennbar ist, dann mit Fieber und Erbrechen und zuletzt mit Auflösung der inneren Organe und meist letalem Ausgang, gehört das Ebola zu den grĂ€sslichsten bekannten Infektionen und schafft fĂŒr die Staaten, in denen sie ausbricht, ZustĂ€nde Ă€hnlich der Pest im Mittelalter. Das Virus existierte seit Jahrtausenden in Afrika unabhĂ€ngig von den Menschen. FĂŒr die Wirtstiere, die es bewohnte, war es ungefĂ€hrlich. Vermutlich ist es durch Verzehr von Flughunden, die in Afrika als delikates Buschfleisch gelten, auf die Menschen ĂŒbergesprungen. Bei frĂŒheren AusbrĂŒchen der Krankheit fĂŒhrten die körperliche LĂ€hmung der Erkrankten und der schnell eintretende Tod dazu, dass sich die Infektionsherde nicht großrĂ€umig ausbreiteten. Das war bei dem jĂŒngsten Ausbruch, weil die Infektion rasch LĂ€ndergrenzen ĂŒberschritt, anders. Die Vernetzung der Welt durch Fluglinien und globale Kontakte macht das Virus „flĂŒgge“ und zu einer Bedrohung praktisch an jedem Ort der Welt. Das Virus ist an den menschlichen Körper von seiner Natur her nicht angepasst. Es ist durch den Übersprung auf die Menschen in eine fremde Welt geraten, hat sich gewissermaßen „verirrt“. Daher die AggressivitĂ€t und der dominant tödliche Ausgang, der fĂŒr die Evolution des Virus an sich von Nachteil ist. Auch wenn ein Impfstoff gefunden und tatsĂ€chlich an die unmittelbar Erkrankten herangebracht werden kann, ist das „Virus, das aus dem Dschungel kam“ lĂ€ngst nicht endgĂŒltig gezĂ€hmt. Als archaisches RNA-Virus besitzt es eine extrem hohe Mutationsrate und verĂ€ndert sich stĂ€ndig. 100.000 Generationen des Virus sind eine Sache von wenigen Monaten. 100.000 Generationen des Menschen wĂŒrden eine Zeit von 2 Millionen Jahren brauchen. Das Virus, vor allem in der verborgenen „schwelbrandĂ€hnlichen“ Form „lĂ€uft den Gegenmaßnahmen der Gesundheitsbehörden davon“. Der Virologe Prof. Dr. med. Alexander S. KekulĂ© ist Direktor des Instituts fĂŒr Medizinische Mikrobiologie an der UniversitĂ€t Halle-Wittenberg. Er gehört zu den Virus-Experten, die in der Welt Geltung besitzen. Er berichtet. 

Erstausstrahlung am 11.02.2015

Wer sind eigentlich WIR?

Auf unserer Haut, in unserem Darm, tragen wir lebenslĂ€nglich Viren umher. Wir schwimmen aber auch Ă€ußerlich in einem Ozean von Viren. Diese Partikel, die noch keine Zellen sind, sind unvorstellbar alt und gehören zu jeder Gegenwart. Wir sprechen ĂŒber diese wilde Gegenwelt immer dann, wenn Viren Krankheiten auslösen. Die ĂŒberwĂ€ltigende Mehrheit dieser Mikroorganismen ist aber unschĂ€dlich und einige davon sind fĂŒr das Leben unersetzlich. Stimmt die Vermutung, dass Viren unsere Ă€ltesten Vorfahren sind? Die letzten Jahrzehnte waren GoldgrĂ€ber-Jahre der Virusforschung. Trotzdem sind breite Teile dieser „Supermacht des Lebens“ unerforscht. Die kleinsten Viren sind 100-fach kleiner als Bakterien. Es gibt aber auch Giga-Viren, die grĂ¶ĂŸer sind als Bakterien und den Übergang vom Virus zur Zelle andeuten. MĂ€chtige Giga-Viren aus der Zeit vor 30.000 Jahren wurden im Permafrost Sibiriens entdeckt: nach Auftauen höchst lebendig. Die Virologin und Krebsforscherin Prof. Dr. Karin Mölling, UniversitĂ€t ZĂŒrich, berichtet Neues und VerblĂŒffendes aus der Erfolgsgeschichte der Viren, die vor 3,5 Milliarden Jahren begann (also recht kurz nach Konsolidierung des Sonnensystems und damit des Erdballs). Hier kann man die AnfĂ€nge der Evolution studieren. Sie begann auf der Basis einfacher RNA-Ketten: den analphabetischen Alleskönnern, die damals und heute die Basis bilden fĂŒr die Buchstaben-freudigen biologischen KrĂ€fte, aus denen sich die Evolution bis zu uns und den Primaten fortsetzt. Eine Reise in unsere nahe und ferne Umgebung. „Wir schwimmen in einem Meer von Viren“. Begegnung mit Prof. Dr. Karin Mölling, Fellow des Wissenschaftskollegs zu Berlin.

Erstausstrahlung am 16.12.2015